Der Sitzroller hat sich seit mehr als 2 Jahrzehnten vielhundertfach bewährt. Er hat inzwischen auch Eingang in die internationale Literatur gefunden. Die fortschreitende rheumatische Entzündung gefährdet und schädigt den Gelenkknorpel und den darunter liegenden Knochen wie auch den gesamten Kapsel-, Band- und Halteapparat. Innerhalb weniger Wochen führt die chronische Arthritis zur Schon- und Fehlhaltung des Gelenkes, immer verbunden mit einer Einschränkung der Beweglichkeit. Auf weite Sicht drohen Gelenkfehlstellung, Zerstörung und Behinderung.
Durch eine frühzeitige medikamentöse und krankengymnastische Behandlung können wir heute bei den meisten Kindern bleibende Schäden verhindern. Das setzt jedoch voraus, dass die erkrankten Gelenke während der Entzündungsphase viel bewegt und wenig belastet werden. Der Sitzroller erfüllt diese Aufgaben optimal. Der Sattel trägt das Körpergewicht, so dass Hüft-, Knie- und Sprunggelenke entlastet werden. Die Fortbewegung erfolgt wie beim normalen Gehen in einer aufrechten Körperhaltung und somit in der für die Gelenke günstigen Streckstellung von Hüft- und Kniegelenken. Im Gegensatz zum Rollstuhl wird dadurch der schmerzbedingten Beugestellung entgegengewirkt. Da die Gelenke schonend bewegt werden, wird auch der Entzündungsprozess selbst günstig beeinflusst. Der Sitzroller hilft also die Arthritis überwinden und arbeitet gleichzeitig der Entstehung von Fehlstellungen entgegen.
Ein zusätzlicher Vorzug liegt darin, dass über das Nervensystem im Rahmen der Schmerzverarbeitung das normale Zusammenspiel der Muskulatur wieder verbessert wird.
Die entzündungs- und schmerzbedingten, abnormen Bewegungsmuster, beispielsweise das Hinken und Humpeln in gebeugt gehaltenem Knie, werden in Verbindung mit der krankengymnastischen Therapie leichter überwunden und in eine flüssige, physiologische Bewegung zurückgeführt.
Gleichzeitig erweitert der Sitzroller den Bewegungsradius der rheumakranken Kinder. Er bringt ihnen die natürliche Bewegungsfreude zurück. Die Kinder benötigen ihre Gelenke nicht nur zur Fortbewegung. Eine normale Beweglichkeit bildet auch die Voraussetzung für eine altersgerechte körperliche, psychosoziale wie geistige Entwicklung.
Jede Bewegung ist mit Sinneswahrnehmungen und neuen Eindrücken verbunden. Nur durch Mobilität kann der Kontakt mit Freunden erhalten und gefördert, das Gefühl des Zurückgesetztseins überwunden werden. Die Kinder gewinnen durch den Sitzroller wieder mehr Eigenständigkeit und Selbstvertrauen. Sie können oft ohne fremde Hilfe den Schulweg wieder selbständig bewältigen oder während der Schule bei Unterrichtsgängen und Wanderungen mit dabei sein. Kinder mit schweren Verlaufsformen können sich wieder besser bewegen und am Leben in der Gemeinschaft teilnehmen. Dadurch werden sie wieder fröhlicher und können ihre Alltagsanforderungen leichter meistern.
Der Sitzroller ist etwa ab dem 5. – 6. Lebensjahr möglich. Dabei ist die Höhe des Sattels so zu wählen, dass die Füße den Boden eben erreichen.
Prof. Dr. Hans Truckenbrodt
Kinder-Rheumastiftung
(aus Rheumalis Express 1/2010)