Schule

Das rheumakranke Kind in der Schule

Leider muss ich immer wieder erleben, dass Eltern - aber auch Kinder glauben, sie müssen ihre Erkrankung vor den Lehrern und Mitschülern verheimlichen. Als ob es eine Schande wäre, krank zu sein. Es hat sich allerdings niemand seine Krankheit ausgesucht und daher ist es auch kein Makel, an Rheuma zu leiden. Dem rheumakranken kann aber nur ein reibungsloser Schulbesuch ermöglicht werden, wenn alle Beteiligten auch ausreichend über die Krankheit informiert werden. Es ist wichtig für die Schüler zu wissen, dass ihr Klassenkamerad an einer chronischen entzündlichen Rheumaerkrankung leidet. Nur so können sie auch verstehen, dass verschiedene Ausnahmen keine Bevorzugung sind, sondern Notwendigkeiten, um den Schulalltag auch bewältigen zu können.

Zunächst ist es einmal wichtig, den Lehrern und Mitschülern zu erklären, was Rheuma eigentlich ist, denn bisher kannten sie es wahrscheinlich nur von der Oma und wussten nicht, dass auch Kinder von dieser Krankheit betroffen sein können.

Rheuma bei Kindern ist meist entzündlicher Art und verläuft schubweise, d.h. die Kinder haben immer mal gute Phasen, die dann wieder von schlechten abgelöst werden. Rheuma bei Kindern ist eine, sehr in ihr bisheriges Leben eingreifende Erkrankung, da sie mit vielen Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einhergeht. Die häufigste Erkrankung bei Kindern ist die Juvenile idiopathische Arthritis.

  • juvenil  – kindlich jugendlich
  •  idiopathisch  – unbekannter Ursache
  •  Arthritis  – Gelenkentzündung

Rheuma bei Kindern kann mit dem Befall von wenigen Gelenken (Oligoarthritis), oder vielen Gelenken (Polyarthritis) sowie einer Beteiligung der inneren Organe (systemische Arthritis) vorkommen.

Weiters können auch die Augen von einer Entzündung betroffen sein, die unbemerkt zu einer starken Sehbehinderung bis hin zu einer Erblindung führen kann. Da Rheuma noch immer nicht geheilt werden kann und die Ursache dafür auch noch immer unklar ist „man vermutet eine Störung des Immunsystems“ kann man nur durch teils sehr starke Medikamente versuchen, die Krankheit zum Stillstand zu bringen.

Um nun einen angenehmen Schulalltag für die Betroffenen zu ermöglichen, müssen verschiedene Vorkehrungen, je nach  Betroffenheit der Kinder und Jugendlichen, getroffen werden.

Das Klassenzimmer sollte sich idealerweise im Erdgeschoss befinden oder die Möglichkeit einer Liftbenützung vorhanden sein, um das Stiegensteigen zu vermeiden. Der Sitzplatz des Schülers sollte eine gute Sichtmöglichkeit auf die Tafel bieten und falls es möglich ist, wäre ein Drehstuhl sehr gut, da sich die Kinder dann nicht verrenken müssen und das Genick geschont wird, auch ein Keilkissen kann Erleichterung bringen. Ein zweiter Schulbuchsatz ist für Rheumakinder unumgänglich, damit ihre Gelenke nicht durch schwere Schultaschen noch mehr belastet werden. So kann eine Garnitur Bücher zu Hause bleiben und muss nicht immer zur Schule und wieder zurück getragen werden.

Sind die Arme (Hände, Finger, Schultern, Ellenbogen) betroffen, benötigen viele Kinder auch Handschienen, welche leider das   Schreiben für die Kinder und Jugendlichen erschwert. Die Schüler brauchen für ihre Stifte Griffverdickungen. Da auch das Tempo des Schreibens sehr verzögert ist, bietet die Benützung eines Laptops große Erleichterung und schont zusätzlich die Gelenke der Schüler. Bei Tests und Schularbeiten sollte den Betroffenen auch eine Schreibverlängerung gewährleistet werden.

Die Rheumakinder sind meist vom Turnunterricht befreit, bei manchen ist es aber an besseren Tagen möglich, nach ihren Bedürfnissen, am Unterricht teilweise teilzunehmen. Auch dies sollte den Schülern ermöglicht werden, da es für die Integration in die Klassengemeinschaft sehr wichtig ist.

Die Turnstunden sollten aber nach Möglichkeit an die Randstunden verlegt werden, weil dann die Rheumakinder diese Zeit für Therapiebesuche, Arztbesuche sowie zum Hausaufgabe schreiben nutzen können, da ihre Freizeit Krankheitsbedingt ohnehin sehr verkürzt ist. Dies gilt natürlich auch für Befreiungen von Werken oder Zeichenstunden.

Schulausflüge sollten nach Möglichkeit mit den Lehrern so abgesprochen und geplant werden, dass die Rheumakinder auf jeden Fall immer teilnehmen können.

Die Kinder und Jugendlichen haben auch teilweise sehr viele Fehlzeiten, sodass es nicht immer leicht ist, dem Stoff zu folgen. Daher ist es vorteilhaft, wenn die Mitschüler ihren Klassenkameraden die Hausaufgaben und Schulübungen zukommen lassen, damit der Schüler auch baldigst den Stoff nachholen kann. An manchen Tagen kommen die Rheumakinder auch erst in der zweiten oder dritten Stunde in den Unterricht, da sie sich oft in der Früh nicht bewegen können. Dies ist die bekannte Morgensteifheit und die Medikamente und Eispackungen brauchen einige Zeit, um zu wirken. Dass man danach von alledem nichts mehr merkt ist auch ganz normal und für viele leider nicht immer nachvollziehbar.

Durch die Einnahme von starken Medikamenten ergeben sich viele Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Bei Verabreichung von hohen Dosen Cortison kann das Kind oft rasch dick werden und sein Gesicht aufgedunsen sein. Dieser Umstand erschwert zusätzlich das Zusammenlegen mit seinen gesunden Mitschüler.

Wenn all diese Punkte mit der Direktion, Lehrern und Schülern abgesprochen sind, kann auch für den Kranken ein reibungsloser Schulbesuch gewährleistet werden. Dies sollte im Interesse aller Beteiligten liegen da es auch Behinderten und Kranken möglich sein muss, eine ausreichende Schulbildung zu erlangen.

Rheumakinder wollen keine Ausnahmen sie benötigen sie! Um ihrenSchultag bewältigen zu können, ist die selbstverständliche Hilfe aller notwendig. Ein gutes Beispiel für Integration eines Rheumakindes in den Schulalltag ist mein Sohn Dominik der zur Zeit das BRG 21 besucht und auf Grund der erwähnten Hilfe, eine normale Schulzeit erleben kann.

Auf diesem Wege möchte ich mich auch recht herzlich bei der ganzen Schule bedanken.