Martha Frühwirt - Zentrum

Anlässlich des 25jährigen Bestehens gab es im Martha Frühwirt-Zentrum am 19.4.2010 eine Podiumsdiskussion mit hochkarätigen Teilnehmern.


Hierbei handelte es sich um

* Gesundheitsminister Alois Stöger
* Mag. Heinrich Burggasser, Präsident der Österreichischen Apothekerkammer
* Dr. Walter Dorner, Präsident der Österreichischen Ärztekammer
* Mag. Dr. Peter Nowak, Ludwig Boltzmann-Institut
* Mag. Jan Pazourek, Generaldirektor Stv. d. WGKK
* Prim. Dr. Norbert Vetter, niedergelassener Kassenarzt und Spitalsarzt
* Otto Spranger, Obmann des Medizinischen Selbsthilfezentrums

Inhaltlich ging es um Selbsthilfe als Sprachrohr der PatientenInnen-Interessen, was Selbsthilfe in unserem heutigen Gesundheitssystem leistet, den Stellenwert und die zunehmende Rolle in der Versorgung der Patienten.

Primär besteht die Hauptaufgabe der Selbsthilfegruppen darin, Patienten nach der Diagnose aufzufangen und Hilfestellung im Ablauf des nun veränderten Lebens- und Familienablaufes zu geben. Das wichtigste Anliegen ist aber das  Auffangen der Betroffenen.

Der Gesundheitsminister sieht in der Stärkung der SHG-Gruppen vor allem die Möglichkeit  der Verbesserung des Gesundheitswesens, Verstärkung der  Mündigkeit und Selbstentscheidung des Patienten und Verbesserung der Lebensgrundlagen.

Ärzte- und Apothekenkammer wollen mehr Anerkennung integrierter Partner im Gesundheitswesen, die in einem PRO-Gesunden-Österreich nicht Bittsteller sein sollten, außerdem Prävention für einen verbesserten Ernährungs- und Lebensstil, denn vor allem die sekundäre Prävention fehlt!

Die Patientenmeinung ist leider nicht gefragt – sie sollte gesetzliche Verankerung finden. Außerdem sollte eine Möglichkeit der Wiedereingliederung chronisch Kranker in den laufenden Arbeitsprozess gefunden werden. Hierbei muss vor allem an unsere Kinder gedacht werden, die überhaupt erst einen Platz in der Arbeitswelt finden müssen.

Dr. Dorner und Mag. Burggasser sprachen den SHG-Gruppen ihren Dank für die Hilfe und Unterstützung der Betroffenen aus.

Nicht-kranken Menschen fehlt es oft an Verständnis und gerade hier wäre die menschliche Weiterbetreuung neben der Ärztlichen für Betroffene so wichtig und notwendig.
Manch Gesunder spricht über einen Kranken, als ob es sich hierbei um einen Exoten handeln würde, doch das Motto sollte eigentlich heißen:


Gemeinsam statt Einsam


Unsere Erfahrung sieht leider anders aus: man muss den Krankenkassen einfach immer wieder lästig sein, um doch noch dringend notwendige Medikamente und Therapien zumindest zum Teil erstattet zu bekommen. Es muss mehr Informationsmaterial in den Spitälern, bei Ärzten und in Apotheken aufgelegt werden.

Aber auch die Förderschiene ist ein wichtiges Thema, denn erbringt man nicht offensichtliche Leistungen, gibt es für die Selbsthilfegruppen kein Geld und sie bleiben im Regen stehen. Doch es gibt sehr viele kleine Vereine, die sich dann irgendwie durchbringen müssen, weil es hinten und vorne an Allem fehlt. Sehr oft zahlen dann die Mitglieder die finanziellen Aufwendungen aus ihrer eigenen Tasche – vom persönlichen Einsatz der Mitglieder ganz zu schweigen.
 
Mehr Texte in Zeitungen als öffentliche Anerkennung wären sehr von Vorteil. Außerdem sind viel mehr Reha-Möglichkeiten zwingend notwendig, und zwar nicht nur für Erwachsene, sondern vor allem auch für Kinder.

Ein wichtiger Schritt wäre, wenn die Krankenkassen als Schnittstelle zum Sozialbereich werden fungieren würden. Staatliche Bürokratie sollte den betroffenen Menschen helfen und nicht für Umverteilung des Finanzausgleiches stehen.

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Verankerung der Rechte für unsere von Krankheit betroffenen Kinder. Die chronisch kranken Kinder fallen gesellschaftlich und gesetzlich doch fast immer durch den sogenannten Rost. Hier muss unbedingt angesetzt werden und wir wünschen uns viel mehr Aufklärungsarbeit, um alle bürokratischen Stellen erreichen zu können.

In diesem Sinne hoffe ich, dass die Diskussion nicht nur eine solche bleibt, sondern wirkliche Arbeit mit sichtbarem Erfolg getan wird.

Elisabeth Pos
(aus Rheumalis Express 1/2010)