Ich heiße Petra Wegscheider, und möchte ihnen, als Rheumapatientin und Medizinstudentin, meinen Werdegang mit Rheuma, Schule und Studium etwas näher bringen.
Vielleicht können sie durch „mich als Positivbeispiel“ auch Kraft und Zuversicht tanken! Mein Ziel ist das Schaffen von Motivation und Optimismus, dass man auch mit Rheuma eine erfüllte Jugend und einen selbstständigen Schritt ins Erwachsenenleben schafft!
Als ich ca. 15 Jahre alt war und aufs Gymnasium gewechselt habe, hatte sich mein Rheuma zum ersten Mal bemerkbar gemacht. Ich bekam damals Knieschmerzen, konnte nicht mehr so gut laufen und war oft müde. Bald folgten weitere Gelenke und eine kleine Ärzte- Odyssee begann, bis die Diagnose „juvenile idiopathische Arthritis“, bei der viele Gelenke betroffen sind, gestellt werden konnte.
Ich war bei einigen Ärzten, und auch öfters im Krankhaus, bekam viele Medikamente,... Doch auch jetzt ist meine Erkrankung noch aktiv, trotz maximaler medikamentöser Einstellung und begleitenden Therapien.
Schulzeit
Zunächst möchte ich ihnen ein bisschen aus meiner Schul-und Studienzeit erzählen.
Meine Schulzeit ist ja schon seit einigen Jahren passé, doch ich erinnere mich trotzdem ganz gerne daran zurück. Ich konnte dem Unterricht Gott sei Dank immer gut folgen, da ich von „allen“ Seiten unterstützt wurde. Es wurde immer viel Verständnis für meine Fehlzeiten und Einschränkungen aufgebracht. Wenn es mir nicht möglich war den Unterricht zu besuchen, habe ich den Lernstoff zu Hause gelernt. Um mir das Mitschreiben im Unterricht zu erleichtern, durfte ich auf meinem Laptop mitschreiben und auch Schularbeiten so erledigen.
Besondere Hilfe erfuhr ich natürlich von meinen Eltern, besonders Mama, die mich immer bei all meinen Vorhaben unterstützte und mir immer zur Seite stand, wenn ich Hilfe brauchte. Meine Lehrer hatten Verständnis für meine Situation, dass ich öfters nicht so gut gehen konnte, Schmerzen hatte, und öfters zum Arzt musste, und auch meine Mitschüler, besonders meine zwei treuen Freundinnen haben mich liebevoll mit Mitschriften und Lehrmaterialien versorgt. Meine Matura konnte ich problemlos auf einem von der Schule zur Verfügung gestellten Laptop schreiben und schaffte ein gutes Ergebnis.
Medizinstudium
Schon während der Schulzeit wurde für mich klar, dass ich einmal Medizin studieren wollte. Dies hatte nicht nur meine eigene Erkrankung als Hintergrund. Während der Schulzeit hatte ich versucht, soweit es möglich war, in diesen Bereich ein bisschen „hineinzuschnuppern“. Auch meine Mutter als Apothekerin war ein großes Vorbild für mich.
Nun studiere ich im 7. Semester Medizin in Salzburg. Ich bin sehr glücklich mit der Wahl dieser Studienrichtung und vor allem darüber, dass ich mein Ziel, welches ich immer fest vor Augen hatte, so gut verfolgen konnte und noch immer kann!
Den „theoretischeren“ Teil meines Studiums, also das lernen der Grundlagen und einigen Fächern konnte ich bereits zum Großteil abschließen, und das genauso gut wie meine „gesunde“ Kollegenschaft. Ich denke generell, dass ich meinen Kollegen in nichts nachstehe was meine Qualifikation als Medizinstudentin anbelangt.
Ich bin natürlich froh, dass ich vor allem von meinen Kolleginnen und Kollegen, aber auch der Universität, meinen behandelnden Ärzten (Kollegen) und natürlich meiner Familie sehr viel Unterstützung bekomme. Sei es beim Bücher „schleppen“ und kopieren wenn es meine Hände nicht zulassen, oder auch „einfach“ das nötige Verständnis aufbringen wenn ich auf Grund von Schmerzen oder Morgensteifigkeit gewisse Tätigkeiten (noch) nicht ausführen kann.
Derzeit bereite ich mich eifrig auf meine Doktorarbeit vor, was mir viel Spaß macht! Ich schreibe sie auf dem Gebiet der Rheumatologie, und bekomme so natürlich sehr gute weitere Einblicke in dieses spannende Fach! Wo ich mir auch meine berufliche Zukunft vorstellen kann.
Dieses Semester und auch in meiner weiteren Studienzeit erwarten mich noch viele klinische Praktika, auf die ich mich schon sehr freue, da es doch die ersehnte Zeit mit vielem praktischen Lernen ist. Außerdem arbeite ich gerne mit Patienten, vor allem auch Rheumapatienten.
Bislang konnte ich ihnen einen kleinen Einblick in meine Schul- und Studienzeit geben; zum Schluss möchte ich noch auf meinen „Alltag mit Rheuma“ eingehen.
Ich wohne in Salzburg alleine und bin sehr glücklich damit. Ich habe mir hier nette Kollegen- und Freundschaften aufgebaut, die mir unter die Arme greifen, wenn ich selbst einmal nicht weiter kann.
Besonders im Haushalt, gibt es auch einige Tricks, mit denen man mit Behinderung gut alleine leben kann. Sei es das verwenden von ergonomischen Brotmessern zum Schneiden von Lebensmitteln, oder das benutzen eines Schraubverschlussöffners, Anti- Rutschfolien oder Griffverdickungen. Zusätzlich erleichternd ist es natürlich auch, wenn Stühle und auch das Bett hoch genug sind, sodass man sich leicht setzen und aufstehen kann, oder auch in der Küche die Arbeitsfläche auf eine rückenfreundliche Höhe eingestellt ist. Von Ergotherapeuten kann man sehr viele gute Tipps erhalten, die individuell das Leben wahrlich erleichtern können!
Manchmal bewerkstelligt man auch Dinge, wo man von sich selbst überrascht ist, wenn man sie geschafft hat.
Wenn ich trotz allen Tricks Hilfe brauche, bin ich sehr froh meine Freunde und auch Eltern, wobei sie rund 300 km weit entfernt wohnen, zu haben! Denn ihre Unterstützung ist mir sicher.
So ist es mir möglich ein selbstbestimmtes, glückliches Leben, trotz meiner Erkrankung und Einschränkungen zu leben!
Rheuma ist einfach ein Teil von mir, ich kann die Diagnose nicht „wegzaubern“, mit dem ich gelernt habe umzugehen! Es funktioniert, so meine ich, sehr gut, auch wenn nicht immer alles leicht war bzw. ist! Man lernt Steine aus dem Weg zu räumen.
Ich hoffe, dass ich ihnen mit diesem Artikel ein bisschen zeigen konnte wie das Erwachsen- werden aussehen kann und so eine optimistische, sich auf die Zukunft freuende Haltung vermitteln konnte!
Alles Gute!
(Aus Rheumalis Express März 2009)