Wie Leonie zu ihrem Roller kam!
Meine mittlerweile 4,5 jährige Tochter Leonie leidet an Kinderrheuma seitdem sie 17 Monate alt ist.
Als die Krankheit von heute auf morgen bei ihr ausbrach, waren vor allem beide Knie und Sprunggelenke stark betroffen. Leider dauerte es über ein halbes Jahr bis wir nach etlichen Krankenhausaufenthalten und Arztbesuchen in Erfahrung bringen konnten, woran meine Tochter leidet.
Während dieser Zeit ging es ihr sehr schlecht, Leonie konnte teilweise gar nicht laufen, bzw. nur unter großen Schmerzen. Dadurch hat sich ihr Gangbild verändert, sie ging total steif, wie eine Marionette, um die geschwollenen Gelenke beim Laufen möglichst zu schonen.
Heute haben wir die Krankheit gut im Griff, sie verträgt ihre Medikamente gut und ist wieder ein fröhliches, aufgewecktes Mädchen. Im Alltag merkt man als Laie kaum noch, dass sie krank ist, einzig auf ihre bunten Handschienen wird sie öfters angesprochen und leider haben wir es bis heute trotz regelmäßiger Physiotherapie nicht geschafft, das falsche Gangbild aus Leonies Kopf zu kriegen. Wenngleich es mit früher nicht mehr zu vergleichen ist. Deshalb wurde uns sowohl von unserer Physiotherapeutin Martina Zelger als auch von vielen betroffenen Eltern ein Therapieroller empfohlen.
Das ist ein Roller, der mit einem Fahrradsitz ausgestattet ist, sodass das Kind die Möglichkeit hat, sich während des Fahrens hinzusetzen. Dadurch werden die Gelenke nicht so stark belastet. Ausserdem wird beim Anschubsen die Beinmuskulatur trainiert und die Sprunggelenke werden richtig eingesetzt, was ja gerade für Leonie sehr wichtig ist. Auch wenn das betroffene Kind gerade einen Rheumaschub durchmachen muss und nicht schmerzfrei laufen kann, soll der Therapieroller eine große Erleichterung bei der Fortbewegung darstellen.
Somit stand mein Entschluss schnell fest: Leonie soll zum 4. Geburtstag so einen Roller geschenkt bekommen. Von Karin Formanek, der Obfrau unserer SHG Rheumalis, erfuhr ich, dass es einfacher und kostengünstiger ist, einen Roller von Puky zu kaufen und diesen dann nachträglich mit einer Sattelstütze zu einem Therapieroller umzubauen, welchen ich über sie erwerben konnte. Also kaufte ich einen wunderschönen blauen Roller von Puky und bestellte bei Karin das Montageset für den Umbau zum Therapieroller.
Leider stellte aber der Umbau ein ziemlich großes Problem dar: weder mein Vater, noch mein Großvater, die beide handwerklich begabt sind, trauten sich da drüber, aus Angst den neuen Roller kaputtzumachen. Daraufhin fuhr mein Vater damit in eine Fahrradwerkstatt, doch die weigerten sich aus demselben Grund. Erst in der zweiten Fahrradwerkstatt wurde uns anstandslos geholfen.
Leonie freute sich sehr über ihren neuen Roller und ist seitdem total gerne damit unterwegs. Bei Freunden und am Spielplatz erntet sie damit immer große Bewunderung, da so einen tollen Roller mit Sitz sonst niemand hat.
Für Leonie stellt der Roller ein tolles, lustiges Fortbewegungsmittel dar und sie hat viel Freude an der Bewegung.
Und ganz nebenbei setzt sie ihre Gelenke richtig ein und trainiert ihre Beinmuskulatur. Also eine wirklich tolle Sache, die ich allen betroffenen Eltern für ihre "Rheumakinder" nur ans Herz legen kann!
Dagmar Michal
(aus Rheumalis Express 1/2010)