Krankes Geschwisterkind

Bericht über das Leben mit einem von Rheuma betroffenen Geschwisterkind

Wie ist es mit einer an Rheuma erkrankten Schwester?!?!?

Naja wo soll ich anfangen? Ich glaub am besten fange ich an, als wir noch klein waren…..


Als ich erfahren habe, dass meine Schwester eine Gelenkskrankheit hat, wollte ich es nicht wahr haben, da ich selber noch klein war und mir nicht bewusst war, dass dies eine schwere Krankheit ist, die unser aller Leben noch verändern wird. Meine Eltern waren zwar immer für uns beide da, nur ich dachte ich mir immer, dass Julia wichtiger war, was heute im nachhinein betrachtet kompletter Schwachsinn ist, weil meine Eltern uns beide liebten und lieben. Natürlich sorge man sich um ein krankes mehr, aber im Endeffekt bekommen beide dieselbe Liebe, doch das ist einem mit 8 Jahren nicht bewusst!


Meine Eltern sagten zwar immer, dass ich vorsichtiger mit ihr spielen und sorgfältiger umgehen soll, aber ich habe es irgendwie immer ignoriert, weil ich glaube, jeder der Geschwister hat weiß, dass man mit ihnen einfach ganz normal spielen will.


Wenn ich heute die Zeit zurück drehen könnte, würde ich mit Julia einfach anders umgehen, weil ich mir als angehender Erwachsener mit meinen fast 19 Jahren nun dessen bewusst bin.


Es war eine echt harte Zeit, als ich jeden Tag mit ansehen musste, wie schlecht es meiner Schwester ging. Ich konnte herumspringen und alles Mögliche machen, was Spaß machte und sie nahm schwere Medikamente, fuhr immer ins Spital Blutabnehmen und was weiß ich alles für schlimme Sachen. Ja irgendwie macht es mich traurig, dass ich keine normal gesunde Schwester haben kann wie alle Anderen, aber ich finde durch ihre Krankheit ist sie mir viel wichtiger geworden als eine gewöhnliche Schwester. Ich bin für sie da, wenn ihr was am Herzen liegt, was für Mama zu viel wäre oder sie belastet. Ich würde sie für nichts und niemanden hergeben!!!


Heute 12 Jahre später ist sie zwar noch immer krank, aber ich kann mit der Situation viel besser umgehen.


Wenn man eine schwer kranke Person in der Familie hat, weiß man sein Leben erst so richtig zu schätzen, und wenn jemand ihre Krankheit nicht akzeptiert, dann ist er in meinen Augen selber einfach nur ein rücksichtsloses Opfer.


Ich hoffe, dass die Medizin und Forschung bald schon so weit ist, dass man Rheuma heilen kann, auch wenn es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich ist, bin ich mir sicher der Tag kommt.


Ich bin einfach nur stolz auf meine Schwester, dass sie all die Schmerzen so hinnehmen kann, ich könnte es nicht. Stellt euch vor, alle machen eine Radtour und ihr könnt  nicht mit, weil ihr mit den Gelenken auf Grund der Schmerzen nicht klar kommt.


Lasst euch das allemal durch den Kopf gehen, was diese Kinder auch noch seelisch mitmachen müssen und ich finde genau deshalb gehört diese Krankheit respektiert und vor allem die Kinder, die dies betrifft.

Aus Rheumalis Express 1/2011